Hier die externe Bild-Galerie mit 162 tollen Bildern ! - Klick!
7.5.09
Jupp, der Wal, war auch dabei – das aber ist eine extra Geschichte und die kommt später.
Nach einer knapp 10 stündigen Anreise erreichten wir unser Hotel in Ostrów/Wielkopolski. Bis dahin hatten wir einen schicken Stau auf dem Berliner Ring und eine nette Fahrt durch die polnische Landschaft. Der erste Eindruck bei erstklassigem Wetter: alles ist grün und gelb, die Felder sind riesig und die Straßen holprig. Ansonsten kommt einem einiges bekannt vor. Der Meckes war da, der Mediamarkt in Legnice, die Straßenränder sind super geschnitten. Das Hotel mit Namen Borowianka ist prima und hält für alle Doppelzimmer bereit. Die Junxs sind in einem eigenen Haus untergebracht, die Erwachsenen in einem großen Appartement in einem anderen Gebäude. Nach dem Abendessen dann nur noch die Besichtigung des 100 m entfernten Badesees – natürlich ohne Nutzung.
8.5.09
Üppiges Frühstück mit ordentlich Rührei. Für die Herrschaften die morgens eher auf süß eingestellt sind, wird es, auch in den nächsten Tagen, eng, denn der Pole an sich liebt es eher deftig. Würstchen zum Beispiel.
Dann die Fahrt zum Match in Raszków, ca. 15 Minuten von Ostrów entfernt. Ein Ministadion mit etwa 150 Sitzplätzen und Dützener Rasen erwartet uns. Einlauf mit dem Gegner und der Hammer: Aufstellen für die Nationalhymnen! Hinter der deutschen Flagge herrscht Ergriffenheit und Demut. Der Gegner entpuppt sich, von einem ehrgeizigen Schulmeister gecoacht, als gemischte A/B Jugend, die uns körperlich, aber in allen anderen Belangen nicht, klar überlegen ist. Das Heimteam schießt tatsächlich 3-mal auf unser Tor und alles sind Treffer. Wir dagegen etwa 15 mal mit guten Gelegenheiten und nur einem Treffer. Am Ende sei den Gastgebern der Sieg vergönnt. Schließlich noch diverse Reden, unter anderem vom Bürgermeister und ein Mittagessen in der Schulkantine mit beiden Teams. Die ersten Kontakte, zur vornehmlich weiblichen, lokalen Bevölkerung sind auch schon geknüpft, die Verabredungen getroffen, aber leider wurde nicht dazu gesagt, in welcher Stadt die denn stattfinden sollten. Jedenfalls ist Bernard als international erprobter und weltbester Dolmetscher zunehmend gefragt. Überhaupt Bernard: es stellt sich heraus, das unser 2.Herrentrainer in der Umgegend so etwas wie ein Held ist. Wer hätte das gedacht! Nachmittags dann die erste Gelegenheit um Ostrów von innen zu erleben. Schon die Fahrt mit dem Linienbus in die Innenstadt ist der Hit, denn der Fahrer hat, nachdem er erkannt hat, dass wir die deutsche Juniorenmannschaft sind, die überall angekündigt war, kurzerhand die Mannschaft zur Fahrt eingeladen. Wahnsinn oder wie Co und Spezialbetreuer Matze aus Sicht der Sparkasse Bielefeld sagte: deshalb kommen die zu nichts!
In der Stadt dann erleben unsere Junxs dann den nächsten Aufreger: Menschen kommen und schütteln ihnen die Hand und freuen sich einfach, das wir da sind. Das man sich bei soviel Aufmerksamkeit besonders gut benehmen muss lösen unsere Herren während des gesamten Aufenthaltes erstklassig – und relativ locker. Auch die Damenwelt ist an den Deutschen weiter durchaus interessiert. Am Besten ist aber offensichtlich die Tatsache, dass hier der Euro noch was Wert ist und das Taschengeld reichen wird! Das erleben wir auch bei der Rückfahrt am Abend. Da wir alle individuell zum Hotel kommen müssen, sind Taxis angesagt. Kosten entstehen zwischen 7,50 und 10. —Zloty. Das sind umgerechnet etwas zwischen 1,80 und 2,30 Euronen. Pro Auto! Da kann man wirklich richtig prinzen und es krachen lassen. Abends sind Bernard und Wolfgang noch zur Galaveranstaltung, der Feier zum 100-jährigen bestehen von Ostrovia Ostrów eingeladen. Und wieder: Bernard steht für eine Ehrung auf der Bühne und wird auch sonst ziemlich geherzt. Am Ende bleibe ich der einzige ohne Medaille, Plakette oder großem Verdienstkreuz am Bande. Als Trost bekomme ich aber den Ostrovia Schal zum 100- jährigen! Ha! Den hat höchstens die Hälfte der 500 anwesenden Leute! So sieht das aus!
9.5.09
Auch am Vormittag steht entweder Stadt oder aber testen des Sees an. Die Erlebnisse sind ähnlich wie gestern: große Freude das wir da sind und viele Kontakte.
Nachmittags dann das Match gegen den Gastgeber im städtischen Stadion – gestern sind noch gerade die Kabinen renoviert worden – vor wenigen Zuschauern. Denn gleichzeitig ist heute Kommunion in Polen, dadurch fallen eine Reihe Zuschauer aus.
Auch in diesem Match, zu Beginn, keine altersgleichen Kicker. Stattdessen wieder B Junioren und, weniger als gestern, A Jugend. Eigentlich ist das von unseren Freunden von Ostrovia ganz nett gemeint „unsere 94er sind in diesem Jahr ganz schlecht, wir haben nur 3 Gute, und es soll ja auch ein Wettkampf auf Augenhöhe werden“. Der Wettkampf ist vom Ergebnis her sicher auch auf Augenhöhe und in der zweiten Halbzeit werden dann auch die drei C-Jugendlichen eingesetzt. Obwohl: der Innenverteidiger mit der Nummer 11 ist sicher schon 25! Am Ende dann schiedlich/friedlich 1:1. Das anschließende Essen findet wieder in einer, extra für uns geöffneten, Schulkantine statt. Hier auch wieder die besten Zeichen für die riesige Gastfreundschaft: Der Küche ist versehentlich nicht gemeldet worden, das einige Jungs nicht dem Schwein als Lebensmittel zugeneigt sind – und es gibt schön Schnitzel mit Pommes. Die enttäuschten Gesichter unserer Spieler quittieren die Gastgeber mit eiligst beschafften Hühnerschnitzeln!
Später sehen wir uns noch das Match der alten Herren von Ostrovia gegen Lech Poznan an. Im Hintergrund schon die Musik der Kirmes und der Großbühne im Stadtpark. Die Junxs werden langsam unruhig und dürfen früher gehen. Jetzt erleben auch wir Begleiter, wie es den Ballkünstlern ständig geht. Sie verlassen die Haupttribüne und tatsächlich: die Leute beklatschen sie.
Später findet noch eine Spielverlagerung der Kontakte, gerne auch blond, in unser Hotel statt.
Da muss Bernard aber doch noch mal Meldung in Landessprache machen – nett natürlich!
10.5.09
Abreise. Leider, denn eigentlich wollen alle noch bleiben, denn der Aufenthalt hat, wie wir gestern beim Essen noch festgestellt haben, nachhaltig die Einstellung verändert: die Leute sind extrem Gastfreundlich, keiner kann Deutsche oder Leute aus Deutschland nicht leiden und: „die Polen“ klauen nicht alle. In Ostrów sogar gar keiner! Im Gegenteil: Nach der Rückkehr haben wir feststellen müssen, dass sich doch ein Ball von Ostrovia Ostrów in unseren Ballsack verirrt hat. Noch eine Pause im wunderschönen Stadtzentrum von Breslau und weiter geht der Ritt nach Westen.
Was hat das alles noch mit Jupp, dem Wal, zu tun? Sprache ist was Schwieriges und Polnisch ist wirklich ziemlich problematisch. Ständig wechselnde Betonungen, so viele verschiedene Varianten wie man „s“, „z“ oder „n“ aussprechen kann, ganz abgesehen von Buchstaben, die es bei uns nicht gibt.
Aber auch Deutsch macht, bei falscher Betonung riesigen Spaß bzw. bringt super Ergebnisse.
Auf der Hinfahrt spielten einige Junxs im Auto von Bernard ein Sportquizz und auf die Frage nach dem Bundestrainer im Jahre 1978 konnte leider niemand eine Antwort geben. Die stand aber hinten auf der Karte und unser Spezialist, der Name sei verschwiegen sagte, in eben genau dieser Betonung: „Das war Jupp, der Wal“
Fußball Brücke zum Miteinander
Theesens C-Junioren in Polen - Kooperation mit Ostrow angestrebt
Bielefeld (WB/mn). Zu ihrer bisher spektakulärsten Mannschaftsfahrt ist gestern Vormittag die Fußball-C-Jugend des VfL Theesen gestartet. Das Ziel der viertägigen Reise: Die 800 Kilometer entfernt gelegene Kreisstadt Ostrow Wielkopolski in Zentralpolen.
Die 17-köpfige Delegation hat sich ein straffes Programm für das verlängerte Wochenende vorgenommen. Bereits am heutigen Freitag steht ein internationales Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft aus dem kleinen Örtchen Raszkow, einer Nachbargemeinde von Ostrow, an. »Dies ist nur das Aufwärmprogramm. Ein lockerer Aufgalopp«, betont Wolfgang Klee, Chefcoach des Landesligisten.
Ihren großen Auftritt haben die Kicker am Samstag. Im Stadion Miejski treffen die 13- bis 14-Jährigen vor 5 000 Zuschauern auf Ostrovia Ostrow. Die Partie findet unmittelbar vor der Begegnung der Traditionsmannschaften von Ostrovia und Lech Posen statt. Die beiden Klubs bestritten 1989 das polnische Pokalfinale und treffen sich aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des ansässigen Fußballklubs zu einer freundschaftlichen Revanche.
Organisator des Trips ist Bernard Jarczak, Trainer der »Zwoten« des VfL Theesen, der aus Ostrow Wielkopolski stammt. Er sieht den Sport als Mittel zum Zweck. »Im Vordergrund steht die Begegnung und der Austausch.« Fußball sei die Brücke zum Miteinander. Wolfgang Klee kann da nur beipflichten. »Wie die Spiele nun ausgehen, ist zweitrangig. Die Jungs sollen einfach mal etwas Neues kennen lernen.«
Die beiden Fußballlehrer besuchten die 90 000-Einwohner-Stadt nordöstlich von Breslau bereits im vergangenen Jahr und intensivierten die Kontakte, die während einer Stippvisite von Ostrovia-Vertretern 2007 geknüpft wurden.
Einmalig übernimmt ein Sponsor die Kosten vor Ort. Angestrebt ist jedoch eine feste Kooperation beider Vereine. Insbesondere die Nachhaltigkeit liegt Bernard Jarczak am Herzen. »Ich wünsche mir, dass wir Kontinuität in diese Beziehungen hineinbekommen. Eine verbindliche Kooperation mit einem Klub aus Osteuropa wäre meines Wissens ein Novum für einen Bielefelder Verein. Damit würde der VfL ein wichtiges Zeichen setzen«, betont der Diplompädagoge. Eine manifestierte Zusammenarbeit beider Klubs sollte demnach unter anderem regelmäßige Austauschfahrten beinhalten. »Persönliche Kontakte, gerade innerhalb der jungen Generation, würden zudem viele noch immer vorhandene Vorurteile beider Nationen entgegenwirken«, meint Bernard Jarczak.
Artikel vom 08.05.2009



